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Housefloor.de

housefloor.de: hallo dominik.

Dominik Eulberg:hallo. es hat leider mit der zeit nicht ganz wie verabredet hingehauen, weil ich spät aufgestanden bin heute.

housefloor.de: weil du lieber nachts produzierst?

Dominik Eulberg: ja, ich bin eigentlich nachts immer so bis vier, fünf uhr wach. da stört einen keiner, da ruft keiner an.

housefloor.de: meine erste frage dreht sich um dein neues album „bionik“, das bei cocoon erscheinen wird. es war schon öfter davon zu hören. wann wird's denn nun endlich da sein?

Dominik Eulberg: das sollte ursprünglich schon letztes jahr im oktober rauskommen. das hab ich aber nicht geschafft, weil ich so viel unterwegs war und nicht die zeit gefunden habe es zu produzieren. dann war's für's frühjahr angedacht, aber da hatte ich auf traum ja auch ein neues album herausgebracht, „heimische gefilde“. und von daher haben wir dann gesagt, es kommt jetzt anfang oktober raus. die idee das album zu machen gibt es schon seit zwei, drei jahren. ich hatte zunächst einen remix für roman flügels „geht's noch“ für cocoon gemacht und das kam sehr gut an. da hab ich noch einen remix für sie gemacht, für oliver koletzkis „mückenschwarm“ und dann kam schnell die idee auch ein album zu machen. das war für mich natürlich schon eine ehre, weil ich mit sven väth groß geworden bin, das ist so meine musikalische sozialisation. also ich bin nach wie vor bei traumschallplatten, wo ich meine eps mache, und bei cocoon wird jetzt dieses eine album erscheinen.

housefloor.de: produzierst du jetzt noch an „bionik“?

Dominik Eulberg: es ist eigentlich fertig.

housefloor.de: steckt wieder ein konzept dahinter, wie wir das von deinen bisherigen alben kennen?

Dominik Eulberg: ja, es steckt ein konkretes konzept dahinter. wie der name schon sagt geht's dabei um bionik, das ist die fusion von natur und technik. dinge, die die natur im lauf von jahrmillionen entwickelt und perfektioniert hat und die der mensch dann kopiert, wie zum beispiel den klettverschluss, fallschirme oder propeller. und genau darum wird es auf „bionik“ gehen. es wird zehn lieder dazu geben, die dann entsprechend betitelt sind und ich werde auch einen kleinen text dazu schreiben, um sie zu erklären.

housefloor.de: also wie schon bei „heimische gefilde“?

Dominik Eulberg: ich würde sagen eher wie bei „flora und fauna“. da hab ich mir ja auch immer ein tier oder ein pflanze ausgesucht und hab dann da einen lehrreichen text zu geschrieben. „heimische gefilde" ist eher wie ein akustischer waldspaziergang gedacht.

housefloor.de: die idee, dass du auf „heimische gefilde“ mit texten erklärst, welche tiere uns in deinen tracks über den weg laufen, finde ich gut. ich hab immer das gefühl, du sitzt neben mir und zeigst mir dein lieblingsvogelbuch…

Dominik Eulberg: ja, es ist sehr persönlich. als ich das aufgenommen habe, hab ich immer ganz bewusst die ersten aufnahmen genommen. manchmal verschlucke ich ein paar wörter, aber das macht es eben authentisch. ich wollte da nichts perfektes abliefern, sondern was authentisches. so bin ich eben und so ist auch mein leben. jeder, der mich privat kennt, weiß, dass ich immer raus geh in die natur und vögel beobachte und auch anderen gern davon erzähle und ihnen die verschiedenen arten zeige. von daher ist „heimische gefilde“eine sehr persönliche sache geworden.

housefloor.de: du hast auch ein eigenes label mischwald. welche philosophie steckt hier dahinter?

Dominik Eulberg: mischwald wurde gegründet um mix-cds rauszubringen. das hatte ich mit einem freund damals gemacht. und wir waren auch schon am überlegen ob jemand anderes da noch eine mix-cd macht. ich werde auf jeden fall im frühjahr da wieder eine. das ist einfach eine plattform für mix-cds. wir haben nicht vor, die leute ständig mit neuen sachen zu bombadieren.

housefloor.de: du hast auch schon unter dem namen rocco branco drei platten veröffentlicht.

Dominik Eulberg: genau, auf platzhirsch schallplatten.

housefloor.de: warum hast du dir diese alter ego zugelegt?

Dominik Eulberg: das entstand etwa im jahr 2005. da hatte ich viele veröffentlichungen, dich auch sehr erfolgreich waren. da hab ich gedacht, da muss man vielleicht vorsichtig sein, dass man den markt nicht überschwemmt und zum anderen sind die sachen, die auf platzhirsch mache, immer ein bisschen rougher und technoider, so dass ich da quasi in die rolle vom rocco schlüpfe und es auch mal ordentlich krachen lasse.

housefloor.de: und wie bist du auf den namen gekommen?

Dominik Eulberg: der name hat überhaupt keine bedeutung. wir haben uns einfach so namen überlegt und dann bin ich morgens wach geworden und hatte diesen namen irgendwie im kopf. klang total bescheuert, da dachte ich: das ist genau das richtige!

housefloor.de: wie du schon erwähntest ist traumschallplatten das label, auf dem du hauptsächlich veröffentlichst. warum fühlst du dich hier so besonders gut?

Dominik Eulberg: das hat viele gründe. zum einen muss ich ganz klar sagen, dass der riley von traumschallplatten mir als erster wirklich die chance gegeben hat, das zu machen was ich will, also diese fusion von natur und techno zu machen. auch meine abstrakten liedtitel zu verwendet oder ein album zu machen, bei dem ich geschichten über natur schreibe, da hätte bestimmt manches label gesagt ‚bist du bescheuert?! das kann man nicht machen!' für manche muss ein technostück eben einen sterilen englischen namen haben. ich fühl mich hier eben total wohl. ich kann machen und tun was ich will. ich kann eine platte rausbringen, wenn ich eine platte rausbringen will und habe da keinen druck. die covergestaltung ist mir auch sehr wichtig und die mache ich auch immer selber mit den grafikern hier und kann das alles immer rundum so gestalten wie ich mir das vorstelle. außerdem muss ich auch sagen, dass riley und jacqueline gute freunde von mir sind mittlerweile, mit denen man über alles redet. das ganze ist sehr familiär und freundschaftlich und weil ich ein sensibler künstler bin, ist es wichtig, dass ich mich da wohl und verstanden fühle und es nicht nur auf die musik und das produkt ankommt, sondern auch das zwischenmenschliche stimmt.

housefloor.de: du hattest im jahr 2004 mal einen hörsturz. wie ist das passiert und wie gehst du jetzt damit um?

Dominik Eulberg: da hatte ich drei mal hintereinander aufgelegt, sehr laut und sehr lange. und dann kam's eben zu dem gehörsturz. seitdem habe ich auch einen tinitus, so einen pfeifton auf den ohren. ich hab da auch alles mögliche versucht an therapien, mit infusionen, das hat aber alles nicht wirklich was gebracht. dann hab ich mir gedacht, es ist besser diesen lautstärken entgegenzuwirken und hab seitdem beim auflegen immer ohrstöpsel drin mit einem linearfilter. da wird das frequenzspektrum gleichmäßig abgesenkt, man hört vollkommen normal, es ist eben nur 15 dezibel leiser. man kann die musik in der vollen frequenzbreite hören und mixen. in den clubs und bei veranstaltungen setzt man sich einfach so großen lautstärken aus und gerade wenn man so viel und regelmäßig auflegt wie ich, da ist es eigentlich nur eine frage der zeit bis das gehör wirklich schaden nimmt. selbst wenn man in der industrie mit maschinen arbeitet, ist man verpflichtet gehörschutz zu tragen und im club nicht, obwohl das bei weitem nicht so laut ist wie im club oder vor den monitorboxen. seitdem ich diesen gehörschutz trage, habe ich das sehr gut im griff. mein tinitus ist so gut wie weg gegangen im laufe der zeit. ich habe aber festgestellt, dass das unter meinen dj-kollegen eine sehr verbreitete krankheit ist. eigentlich jeder, der das so lange macht, hat irgendwelche gehörschäden oder einen tinitus.

housefloor.de: du studierst außerdem auch. findest du da überhaupt noch zeit für?

Dominik Eulberg: nein, also ich bin noch student der biologie, ökologie und umwelt. da finde ich moment gar keine zeit mehr für, weil ich ja am wochenende immer unterwegs bin und während der woche gibt's auch so viele aufgaben, da höre ich in die neuen platten rein, was auch immer sehr viel arbeit ist, und ich gehe oft ins studio. da hat es gar keinen sinn mehr gemacht, gleichzeitig noch zu studieren. ich bin als student eingeschrieben, habe mich beurlauben lassen und habe eigentlich auch vor das irgendwann zu ende zu machen, weil mir das einfach sehr am herzen liegt. was ich jetzt beruflich mache mit dem vielen herumreisen, das ist schon sehr anstrengend und kraftzehrend. das, denke ich, kann man nicht sein leben lang machen. deshalb ist es für mich sehr gut, da immer noch eine alternative im hinterkopf zu haben.

housefloor.de: wie stellst du dir denn deine zukunft genau vor?

Dominik Eulberg: das kann man nie genau beantworten. ich mache das, solange mir das ganze spaß macht und es mir so viel gutes gibt, wie es im moment der fall ist. mir macht es immer noch riesig spaß aufzulegen, rumzureisen und musik zu machen. solange das alles so ist und ich mich dabei wohl fühle, ist das okay. ich was aber das ich irgendwann – das kann in fünf, zehn oder auch erst fünfzehn jahren sein – mein studium beende und ich im naturschutzbereich arbeite, mehr wissenschaftlich, weil mich das eben auch sehr stark interessiert und ich dann vielleicht auch eine geistige herausforderung brauche.

housefloor.de: damit bin ich mit meinen fragen am ende und danke dir, dass du dir zeit für unser gespräch genommen hast.

Dominik Eulberg: ich danke auch.