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Naturschutz heute

Gezwitscher im Techno-Beat

Zu Besuch bei Dominik Eulberg.

Naturgeräusche vermischen sich mit Technobeats. Rohrdommel, Schwarzspecht, Zilpzalp und Kolkrabe werden am Mischpult zu „Vocals“, „Drums“ und anderen Musikkomponenten. „Die Alpenstrandläufer von Spiekeroog“, „Die Invasion der Taschenkrebse” oder „Löwenzahn-Luftwaffe“ heißen Dominik Eulbergs Techno-Songs.

Das klingt seltsam? Ja, irgendwie schon. Aber es kommt beim Publikum gut an. Seit drei Jahren ist Eulberg in der Technoszene international bekannt, er legt unter anderem in Russland, Japan, Brasilien und in den USA auf. 2004 wurde er zum besten Newcomer des Jahres und 2005 zum besten Produzenten gewählt. Für sein zweites Album, „Heimische Gefilde“, erhielt Eulberg den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Auftanken im Westerwald
Dass wir uns um die Mittagszeit treffen, wirft den 29-Jährigen etwas aus seinem normalen Rhythmus. „Normalerweise gehe ich erst morgens schlafen und stehe gegen Nachmittag wieder auf“, erklärt er. Wenn er nicht gerade irgendwo in der Welt unterwegs ist, verbringt Dominik Eulberg seine Nächte vor Synthesizer und Mischpult und entwirft neue Songs. „Ich verarbeite in meiner Musik Dinge, die mich beschäftigen. Die Natur dient als Inspirationsquelle.“
Fühlt er sich ausgebrannt, tankt der begeisterte Vogelkundler in der Natur wieder auf. Dabei treibt sich der gebürtige Westerwälder vor allem in heimischen Gefilden herum. Auf dem Weg zur Westerwälder Seenplatte erzählt Eulberg einiges über seine Heimat. Woher der Westerwald seinen Namen hat beispielsweise. Früher bestand dieser hauptsächlich aus Rotbuchen und „Wester“ ist das altgermanische Wort für die Buche.
Eulberg stellt sein Stativ auf, richtet das Spektiv ein und hat auch gleich einige Raritäten vor der Linse. Nun ist seine Liebe zur Vogelwelt unverkennbar. Begeistert beobachtet er Silberreiher, Gänsesäger und Schellenten. „Dabei bin ich gar kein Artenjäger. Es ist vielmehr die Entwicklung an einem Ort im Laufe eines Jahres, die mich fasziniert, wie Zugvogelarten kommen und gehen.”

Natur statt Fernsehgerät
Seine Beziehung zur Natur hat er bereits in die Wiege gelegt bekommen. „Meine Eltern sind ebenfalls sehr naturbezogen. Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr bin ich ohne Fernseher aufgewachsen.“ Während ihn das als Kind sehr gestört hat, sagt er mittlerweile, dass das seine Kreativität gefördert hat. „Ich habe mich immer schon sehr für die Natur interessiert. Sie war mein Fernseher.“
Wie geht das denn nun mit dem Techno und dem Vogelgezwitscher? Meistens werden Naturgeräusche doch mit Entspannung, Sanftheit und Ursprünglichkeit assoziiert. Techno dagegen gilt eher als unruhig und hart. Eulberg sieht das anders: „Techno ist ein sehr ursprünglicher und triebhafter Musikstil, der vom Rhythmus bestimmt ist. Solche Musikformen gibt es in vielen alten Kulturen. Am bekanntesten sind vielleicht die Trommeln in afrikanischen Stämmen. Ich habe festgestellt, dass viele Hörer elektronischer Musik eine besondere Sensibilität für Natur haben.” Er vergleicht den Technobeat außerdem mit dem Herzschlag, dem frühesten Geräusch, das der Mensch hört.

Wieder-Entdeckungen
Seine aktuelle Platte „Bionik“ findet bereits im Titel den Spagat zwischen Biologie und Technik. Auf ihr werden die Genialitäten der Natur beschrieben, die sich die Menschen abgucken und für ihre Zwecke verwenden. So heißen die Titel beispielsweise „Autopfoten” oder „Lotuseffekt.“ Überhaupt haben Eulbergs Platten außer jeder Menge Unterhaltungswert stets auch einen lehrreichen Inhalt. Auf seiner zweiten Platte „Heimische Gefilde” ist dies am offensichtlichsten. Hier stellt Eulberg zwischen den einzelnen Tracks besondere Tierarten vor und gibt einige wissenswerte Infos zum Besten. So lernt der Technofreund ganz nebenbei etwas über die Rote Waldameise, den Waldkauz oder den Großen Abendsegler.
„Viele Menschen haben den Bezug zur Natur völlig verloren. Sie laufen durch den Wald und hören nichts. Dabei gibt es unendlich viel zu hören und zu entdecken. Ich versuche, die Leute wieder für die Geräusche in ihrer Umwelt zu sensibilisieren. Ihnen die Natur nahe zu bringen.” Dass das funktioniert, sieht der Musikproduzent – übrigens seit vielen Jahren NABU-Mitglied – an den Reaktionen seiner Fans. „Ich bekomme E-Mails, in denen mir die Leute von ihren Entdeckungen in der Natur berichten, oder mich fragen welches Tier das war, das sie bei ihren Streifzügen durch die Natur gesehen haben. In Moskau kam auf dem Flughafen jemand auf mich zu und hat den Ruf einer Goldammer nachgeahmt, den er sich von einer meiner CDs eingeprägt hatte Solche Ereignisse bestätigen mich darin, dass es der richtige Weg ist einen kleinen Beitrag zum besseren Naturverständnis junger Leute zu leisten.”

Ziel Park-Ranger
Produziert werden die mit Naturgeräuschen gespickten Platten im eigenen Studio, einem kleinen Häuschen am Waldrand. Und was liegt ihm denn nun eigentlich mehr am Herzen, die Musik oder die Natur? Diese Frage kann der Musikproduzent, der zur Zeit Ökologie und Umwelt in Bonn studiert, nicht beantworten. Beides sei ihm wichtig, sein berufliches Ziel sei es allerdings, Ranger in einem Nationalpark zu werden. Erfahrungen hat er darin bereits durch Praktika in den Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und Müritz gesammelt. Für den Rest seines Lebens Platten auflegen möchte er nämlich nicht, das schlaucht zu sehr.
Dennoch steht momentan die musikalische Karriere im Vordergrund. Dominik Eulberg basteltet an seiner neuen Platte „Herbarium“. Er spielt sein jüngstes Stück vor, für das noch ein geeigneter Titel fehlt. „Es ist wie eine lange Reise. Ein Stück voller Wechsel und Überraschungen. Eigentlich wie ein Spaziergang durch den Wald. Hier weißt du auch nicht, was dich hinter der nächsten Biegung erwartet, oder?“

Artikel auf nabu.de