Blätterwald
Interviews und Presseberichte
Rhein-Zeitung (März 2011)
Frankfurter Rundschau (März 2010)
Naturtalent
Techno-DJ Dominik Eulberg holt sich die Inspiration in Wald und Flur. Von Stephan Loichinger
natur + kosmos (Mai 2009)
Im Interview: Dominik Eulberg
Lebensweg: Dominik Eulberg, 1978 in Westerburg geboren, verlebte eine fernsehfreie und naturnahe Kindheit. Übers Radio lernte er Technomusik kennen und fand über das Spiel mit Synthesizer- Klängen selbst zur elektronischen Musik. Inzwischen füllt er mit seinen Kompositionen, in die er Naturgeräusche einarbeitet, weltweit Dancefloors und Clubs. 2004 wurde Eulberg zum Newcomer, 2005 zum Produzenten des Jahres gewählt, 2007 erhielt er für das Album "Heimische Gefilde" den Preis der deutschen Schallplattenkritik. An der Uni Bonn studiert er ökologische Geografie.
Sie wandern gern? "Ich empfinde das wie die Japaner, die dafür das wunderbare Sprachbild haben: in der Waldluft baden gehen. Treffender kann man dieses völlige Eintauchen nicht beschreiben."
Treibender Rhythmus, wummernde Bässe und elektrische Sphärenklänge - das ist der Sound der Technomusik, die in internationalen Club-Dancefloors aufgelegt wird. Was dort das "Stelldichein des Westerwälder Vogelchores" zu suchen hat? Keine Frage: So ein Gezwitscher wäre in der Szene hoffnungslos verloren, wenn es DJ Eulberg nicht gäbe. Er setzt die Große Rohrdommel an die Bassdrum, den Specht ans Schlagzeug, den Eichelhäher an den Noise-Generator: Er importiert die Tierklänge seiner Heimat mit einem Riesenerfolg mitten in die Beschallungsanlagen großer Großstadt- Clubs. Und exportiert seinen deutschen Natursound inzwischen weltweit.
Der Topstar der Techno-Szene als Öko-Missionar im Großstadtdschungel? "Um Himmelswillen, nein!" lacht der Dreißigjährige und wedelt sich mit einem Kopfschütteln die blonden Haare aus den Augen. "Die Leute wollen einfach nur gute Musik, keinen Biologieunterricht - aber sie wollen eben auch viel mehr als sich nur zudröhnen." An dieser Stelle wird er dann doch streng wie ein Lehrer. Ihn ärgern die Vorurteile, "dass man Techno immer gleich in diese Drogen- Schublade steckt". Wenn Musik bewusstseinserweiternd wirkt, sagt er, dann braucht es dazu kein Einnehmen oder Einatmen berauschender Stoffe - das läuft alles über die Ohren. Dominik Eulberg mixt Sehnsüchte mit Phantasie, in seinem Stück "Traum vom Fliegen" zum Beispiel, wo freilich um die Ecke, im nächsten Track, schon die "Löwenzahn-Luftwaffe" lauert. Seine Klanggemälde sind manchmal einen Schuss bizarr, oft erstaunlich sanft, aber immer schrecklich schön. Sie entführen die Großstadt-Clubber mental hinaus aus ihrem engen Alltag vielleicht nicht direkt ins deutsche Mittelgebirge - eher in ein naturnahes Märchenland: "Letztlich sammle ich keine Tierstimmen oder Geräusche, sondern ich sammle Gefühle". Sein erstes Album nannte Eulberg "Flora und Fauna", das zweite "Heimische Gefilde". Seine Musikstücke haben Titel wie "Bionik", "Die Trottellummen von Helgoland", "Björn Borkenkäfer" oder "Die Rotbauchunken vom Tegernsee".
Beim oberflächlichen Hören mag die Musikrichtung "Techno" cool und gleichförmig wirken, tatsächlich ist sie eines der abwechslungsreichsten Genres der Popmusik - eine gigantische Spielwiese. Da wird gesamplet, verfremdet, abgekupfert, transformiert, was das Zeug hält. Alles ist erlaubt, wirklich alles. "Wie, wie-wie-wie, wie hab ich dich lieb!" Der fiepsende Singsang stammt nicht aus dem Musikantenstadl, ist auch kein alter Schlager, sondern der Originalsound einer Goldammer, den Eulberg in ein Techno- Techtelmechtel verwandelt hat: Track 7 des Albums "Heimische Gefilde". Normalerweise kriegen Technofans auch kaum einmal die Stimmen ihrer Stars zu hören, da die meisten Titel instrumental sind und Stimmanteile elektronisch verfremdet werden. Eulberg hingegen erteilt auf dieser CD in gemütlichem Westerwäldisch Nachhilfe in Naturkunde. Es klingt fast wie der gute alte Schulfunk, wenn er das Balzgebaren der Gelbbauchunke schildert, über den Nützling Rote Waldameise oder den Schädling Borkenkäfer informiert. Danach lauscht man aufmerksamer, wenn man im folgenden Track Björn Borkenkäfer höchstpersönlich mit strammen Elektrobeats über Äste krabbeln hört. Zehn in Deutschland beheimatete Tiere, die ihm besonders am Herzen liegen, stellt Eulberg so vor. Das ist keine billige Masche. Er ist kein Musiker, der die Natur als Gag-Quelle entdeckt hat, es war bei ihm umgekehrt: Dominik Eulberg ist ein Naturfreund, der erst in der zweiten Hälfte seines bisherigen Lebens zur Musik gefunden hat. "Als Schüler hörte ich 1993 zum ersten Mal Techno und war sofort begeistert, ohne dass ich vorher irgendwas mit Musik am Hut hatte." Er stammt aus einer naturverbundenen Familie. Sein Großvater zog als Jäger durch den Westerwald, sein Vater war Biologielehrer. Dominik wuchs mit seinen beiden Geschwistern in Westerburg auf. In und mit der Natur, wo sie jedoch alles andere als unberührt ist. Große Teile der Landschaft sind zersiedelt, zerschnitten von Verkehrswegen, Abfallwirtschaft, Industrie. Hier sind seine Wurzeln, hier verarbeitet er seine Ideen im eigenen Studio, hierher kommt Dominik Eulberg von seinem Wohnsitz in Bonn für zwei Tage die Woche, an den Rand eines kleinen Dorfs, auf halber Strecke zwischen Köln und Frankfurt, knapp außerhalb der Hörweite von Autobahn und ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke. Eulberg schwärmt von der "Westerwälder Seenplatte", das sind sieben große Fischteiche, die im 17. Jahrhundert angelegt wurden und heute zahlreichen Wat- und Sumpfvögel Lebensraum bieten. Dort streift er oft umher. Seine Freundin begleitet ihn zwar gern - "sie kommt aus dem Harz. Mit einer Großstädterin könnte ich mich nicht annähernd so gut verstehen" - am liebsten aber wandert er allein: "Wer nur mit sich unterwegs ist, nimmt einfach mehr wahr". Wichtiger noch als das Beobachtungsfernrohr ist dem Musiker sein Audiorekorder, mit dem er vor allem Vogelstimmen aufzeichnet. "Man hört nur, was man kennt", stellt er fest.
Manchen Sound kennt man eher aus dem Kino als aus dem Wald. Schon Alfred Hitchcock ließ in seinen Filmen gern den Eistaucher auftauchen: Sein gellender Schrei ist seither ein gern genutztes Horrorfilm-Accessoire. Der Eistaucher ist Eulbergs Lieblingsvogel, deshalb muss er ihn jetzt gleich vorführen, in seinem Westerwälder High- Tech-Studio, zwischen all den elektronischen Klangzaubergerätschaften. Verzückt klickt er "Eistaucher" als Audiofile an. An der Wand hängen große Bilder mit arktischer Ozeanszenerie, dazwischen haben Opas eigenhändig ausgestopfte Tierpräparate - diverse Vögel, ein Hecht und ein Mufflon - das Studio fest im Blick. Eulberg regiert sein Ökotechnoreich über zwei parallel laufende Computermonitore - und ja: mit einem Hauch Hall wird der Schrei des Eistauchers noch eine Idee gruseliger. Wenn er nicht hier ist, pendelt der Komponist zwischen seinem Wohnort Bonn, dem Büro seines Managements in Köln und seinen Engagements in aller Welt. Weite Reisen bedeuten für ihn deshalb nicht Urlaub. "Ich erhole mich sowieso am allerbesten in der deutschen Natur", erklärt er. Eulberg ist bodenständig - auch was seine Karriere angeht. "Ich lasse mir zwar Zeit und sehe das als großen Luxus, aber ich will natürlich nicht ewig Platten in Clubs auflegen." Darum studiert er an der Uni Bonn ökologische Geografie. Nach seinem Diplom will er professionell in den Naturschutz einsteigen. Aber wer weiß? Im Moment ist er fasziniert vom Thema Filmmusik, davon, Klänge bezogen auf bewegte Bilder zu entwickeln. Mehr verrät er nicht. Ob es mit Gruseln zu tun hat? Könnte schon sein, siehe Eistaucher. Vorerst geht es allerdings eher um Erotik - wie etwa bei der Feldgrille: "Es zirpen nur die Männchen, zumeist am Eingang der selbst gegrabenen Erdhöhle, um die weiblichen Schönheiten höflich zur Begattung herein zu bitten." Ganz schön sexy, so ein Öko-Techno.
Natur in Berlin (2010)
pm (September 2008)
Ein Techno-DJ mit Öko-Sound
Wummernde Bässe und sanfte Naturgeräusche – wie passt das zusammen? Gar nicht, sollte man meinen, denn wo Techno-Jünger ihrer Leidenschaft frönen, erstirbt das tapferste Vogelgezwitscher! Doch Dominik Eulberg, ein junger Geografiestudent aus dem Westerwald, beweist: Es geht doch! Als Techno-DJ mixt er elektronische Klänge mit akustischem Material aus Flora und Fauna, und das funktioniert hervorragend. Da quaken die Frösche, erklingen Vogelstimmen, rauscht das Schilfrohr – Eulbergs Kompositionen beschwören genau die Idylle herauf, die der gestresste Großstädter braucht. Und weil Entspannung eine prima Voraussetzung zum lernen ist, erzählt er auf seiner Platte „Heimische Gefilde“ nebenher auch noch Wissenswertes über Waldameisen und Käuzchen. Dem Lehrersohn liegt die Öko-Mission wirklich am Herzen: „Den Hörern etwas Interessantes über die Schönheit und Schützenswürdigkeit der Natur mit auf den Weg zu geben, ist ein Ziel von mir!“. Mit solchen Worten zieht man natürlich leicht Spott der coolen Techno-Szene auf sich. Aber das kann Eulberg egal sein, er hat den Erfolg auf seiner Seite: Als DJ ist er international gefragt, in wenigen Jahren holte er sich gleich mehrere Preise und Auszeichnungen – so zum Beispiel den Preis der Deutsch Schallplattenkritik. Obwohl Techno-Päpste wie Sven Väth ihn an die Plattenteller bitten und Promis wie Karl Lagerfeld zu seinen Fans zählen, ist Eulberg weit davon entfernt, abzuheben. Lieber verschwindet er in Feld, Wald oder Wiese und lauscht den Vögeln neue Töne ab. Sein eigentlicher Traumberuf hat mit Techno übrigens nicht viel zu tun. Irgendwann wird er den Clubs endgültig den Rücken kehren, sich nur noch der Natur widmen und Besuchern in einem Nationalpark die Geheimnisse von Rohrdommel und Feuersalamander verraten – live, in Farbe und vor Ort.
Süddeutsche Zeitung (April 2008)
DJ Dominik Eulberg, der harten Techno mit Hilfe von Vogelstimmen zum Naturerlebnis macht
Rohrdommel, Specht und Kolkrabe werden auf dem Mischpult von Dominik Eulberg aus Meudt im Westerwald zu Techno-Tracks wie „Die Alpenstrandläufer von Spiekeroog” oder „Invasion der Taschenkrebse”. Diese legt Eulberg in den USA, Russland, China und Japan auf. Fachmagazine wählten ihn 2004 und 2005 zum Newcomer und Produzenten des Jahres, für sein zweites Album „Heimische Gefilde” hat der 29-Jährige nun den Preis der Deutschen Schallplattenkritik bekommen.
SZ: Herr Eulberg, in Ihren Stücken tauchen Rohrdommeln, Spechte und Raben auf. Wie kommt man auf so eine Idee?
Eulberg: Ich bin eben total naturverbunden aufgewachsen, im Westerwald, ohne Fernseher und so. . .
SZ: Ein Öko-Kind!
Eulberg: Jetzt nicht mit Birkenstocks und Rentierpulli, aber mein Vater hat mir immer alles gezeigt draußen. Mit sechs Jahren kannte ich viele Vögel und Pflanzen. In der Natur ist immer Abwechslung, man weiß nie, was nach der nächsten Gabelung kommt. Es gibt tolle Erfahrungen, etwa einen Sonnenuntergang. Das will ich musikalisch umsetzen.
SZ: Sie hatten gerade Auftritte in Marseille, Tokio und Osaka. Ihre Techno-Stücke haben Namen wie „Die Alpenstrandläufer von Spiekeroog”. Versteht das denn dort überhaupt jemand?
Eulberg: Viele Leute verstehen nicht, warum ich den Stücken keine englischen Titel gebe. Aber ich bin doch Deutscher und kann mit meiner Sprache am besten umgehen. Die Amis finden es total crazy, dass die Stücke deutsche Namen haben mit so langen, komplizierten Wörter. Die versuchen das immer auszusprechen.
SZ: Techno und House sind ja eher für ziemlich dünne inhaltliche Botschaften bekannt. Welche Botschaft ist Ihre?
Eulberg: Botschaft klingt so groß. Ich versuche, das zu machen, was mir Spaß macht, und den Leuten eine schöne Zeit zu bescheren. Außerdem komme ich aus einer Lehrerfamilie. Ein bisschen Pädagogen-Gene stecken auch in mir drin.
SZ: Und was wollen Sie vermitteln?
Eulberg: Was ist der Sinn von Techno? After-Hour bis 18 Uhr, Drogen einschmeißen? Das alles kann man schwachsinnig nennen. Ich versuche, es mit Sinn zu füllen. Ich studiere Naturschutz, warum soll ich den Leuten nicht nebenbei mitgeben, wie toll Natur ist, wie sich ein Vogel anhört? Wenn da einer in Sandalen und ollem Pulli kommt, sagen alle: „Was will der Öko-Spinner?” Macht man das als Techno-DJ, ist es plötzlich cool.
SZ: Auf Ihrem Album „Heimische Gefilde” erzählen Sie etwas von Waldameisen, Fledermäusen und Käuzen. Sicher, dass die Leute das hören wollen?
Eulberg: Genau darum geht es ja. Das hören sich Leute an, die sich sonst vielleicht nie für so was interessiert hätten. Ich treffe immer wieder Leute, die mir vorsingen, was sie letztens für einen Vogel gehört haben, oder mir Fotos zeigen, und ich soll sagen, was das für einer ist. Techno ist der Natur sehr ähnlich.
SZ: Wie denn das?
Eulberg: Techno ist mehr als bummbumm, es ist die triebhafteste, instinktivste Musik, die es gibt. Das Erste, was ein Mensch hört, ist der Herzschlag der Mutter. Daher gibt es ja auch so viele musikalische Rituale, wie in Afrika, wo man sich mit Trommeln in Trance bringt. Die ewige Wiederkehr ist etwas Natürliches. Manche Synthesizer klingen exakt wie Tiergeräusche, etwa wie Froschgequake. Auf meiner neuen Platte Herbarium geht es übrigens um getrocknete Pflanzen. . .
SZ: . . .wie setzt man die in Musik um?
Eulberg: Ich habe versucht, blumige Musik zu machen, sehr filigran. So kann ich zeigen, dass Natur etwas Zerbrechliches ist, und dass Schönes endlich ist. .
Rhein-Zeitung (April 2008)
DJ findet den Weltklang im Westerwald
Mal ehrlich: Vogelkunde gehört nicht gerade zu den Hobbys, die Jungs für Mädchen attraktiver machen. Schon gar nicht in einer Szene, in der besonders Kecke sich mit T-Shirt - Aufdrucken wie "Ich kenn den DJ" am Türsteher eines angesagten Klubs vorbeizumogeln versuchen.
Einer aber hat es geschafft, mit seiner Leidenschaft Ornithologie weltweit zu den Angesagtesten der Techno - Szene zu gehören: der Westerwälder DJ Dominik Eulberg.
Wenn er zu Hause im Westerwald ist , begibt Dominik Eulberg (29) sich gern auf die Pirsch nach Rhythmen und Geräuschen. Ausgerüstet mit Fernglas, Mikrofon und MP3-Rekorder durchstreift er Wald und Wiesen auf Fang nach Tierstimmen oder Naturgeräuschen. Die mixt er zu Klangbildern und Rhythmus - Collagen, denen er Namen wie "Stelldichein des Westerwälder Vogelchores" oder "Hecht im Karpfenteich" verpasst. Die Frage, ob ein Naturfreund mit solchen Bekenntnissen in der Techno - Szene landen kann, stellt sich für Eulberg nicht: Auf Raves und in Klubs zwischen Osaka, Mailand und St. Petersburg liegen ihm die Techno - Anhänger zu Füßen. Für sein Album "Heimische Gefilde" hat er im vergangenen Jahr den Deutschen Schallplattenpreis erhalten.
Wir treffen Eulberg in seinem Studio in Meudt (Westerwaldkreis). Draußen ist es schon dunkel und Eulberg gerade aufgestanden. Als DJ, der zwei bis drei Auftritte wöchentlich in internationalen Techno - Klubs absolviert, ist er daran gewöhnt, die Nacht zum Tag zu machen. Im Studio, das er in Kreativpausen zum Schlafen nutzt, hängen ausgestopfte Tiere an den Wänden. "Die sind von meinem Opa, der war Jäger", erklärt Eulberg und brüht sich zum Wachwerden erst mal einen Tee.
Schon immer der Meinung, dass sich Ihre Hobbys Ornithologie und Techno - Musik gut vertragen?
Ich bin in der Natur zu Hause, sie ist meine größte Inspirationsquelle. Wenn ich bei Sonnenuntergang an einem See sitze, und die Vögel zwitschern nochmal ihr Bestes - genau dieses Gefühl versuche ich in meiner Musik umzusetzen. Zugegeben: Titel wie "Gasthof zum satten Bass" klangen für Plattenfirmen zunächst nicht gerade sexy. Aber zum Glück ließ mich mein Label "Traumschallplatten" einfach immer machen.
Wie sind Sie aus der heimischen Natur in die synthetische Techno - Welt geraten?
Für Musik habe ich mich eigentlich nie so richtig interessiert. Bis ich 1992 zum ersten Mal im Radio die "HR 3-Clubnight" mit Sven Väth hörte. Das war sowas ganz anderes. Ich konnte mir zunächst gar nicht erklären, wo diese Geräusche eigentlich herkommen. In meiner naturwissenschaftlichen Neugier kaufte ich mir einen Synthesizer, um das Geheimnis dieser Klänge zu ergründen. Damit begann ich, Techno zu machen.
Teilen Ihre Fans inzwischen Ihre Liebe zur Natur?
Es passiert schon, dass die mir Fotos von Vögeln oder anderen Tieren schicken und fragen, was das ist. Übrigens gibt es ja durchaus archaische Bezüge zwischen dem 4/4-Rhythmus des Technos und afrikanischen Stammesgesängen oder auch dem ersten Geräusch, das der Mensch überhaupt hört: dem Herzschlag der Mutter. Wenn Raves (Techno - Konzerte, Anm. der Red.) in freier Natur stattfinden, steigert das das Musikerlebnis der Leute. Es fällt ihnen leichter, sich zu öffnen, den Kopf auszuschalten und die Ekstase oder sogar Trance zuzulassen. Dabei sind sie viel mehr bei sich und in der Natur als bei einem gewöhnlichen Konzertbesuch.
Welche Musik hat Sie geprägt?
Mein Vater hörte zu Hause Simon & Garfunkel. Und was Mozart gemacht hat - da zieh' ich echt den Hut vor. Dass der es mit seinen Kompositionen schafft, dass Kühe mehr Milch geben! Im Grunde bin auch ich auf der Suche nach dieser Grundessenz der Musik: Ich will den Biorhythmus der Menschen treffen. Komponisten sind seit je von der Natur inspiriert - schließlich ist sie die wichtigste Erfahrungswelt des Menschen.
Trotzdem klingt Ihr musikalischer Anspruch eher nach einem philosophischen Problem als nach einem Kompositionsrezept...
Mittlerweile ist ja jede Frequenz, jede Harmonie schon gespielt. Da muss man schon auf andere Ebenen gehen. Mich interessiert die Frage: Wie wirkt die Musik? Wie macht sie uns glücklich oder traurig? Lange vor Erfindung der Sprache haben sich die Urmenschen über Töne verständigt. Traurigkeit etwa äußert sich in Halbschritt - Intervallen. Es gibt etwas Universelles in der Sprache der Musik. Das merke ich auch bei meinen Auftritten. Zwischen Südamerika, Japan und der Schweiz bestehen zwar Temperamentsunterschiede. Aber die Kommunikation über den Klang funktioniert weltweit. Musik kennt keine Grenzen, sie verbindet die Menschen. Im Techno gibt es eine Art der Globalisierung.
Was bedeutet für Sie Heimat?
Meine Heimat ist für mich noch immer der Westerwald. Hier fühle ich mich wohl und geborgen, nix stresst. Heimat heißt angekommen sein, verstanden werden, nichts vermissen. Deutschland ist ein wunderschönes Land mit einer unglaublich vielfältigen Landschaft, in der ich gerne Urlaub mache. Meine Inspiration sammle ich in der ganzen Welt. Da bin ich immer froh, wenn ich wieder nach Hause komme. Vor allem, wenn ich gerade die Slums von Sao Paulo gesehen habe oder die Mafia von Neapel gerade, während ich in einem Klub Platten auflegte, eine Messerstecherei angezettelt hat...
Wie finden Sie sich zwischen den Welten zurecht?
Die Natur erdet mich, Treffen mit Freunden zu Hause. Wenn ich zu einem Auftritt irgendwo eingeflogen werde und vor mehreren Tausend Leuten für einen Auftritt von Null auf Hundert gehen muss, steht dagegen die Arbeit im Studio, die eher introvertiert ist.
Was planen Sie in Zukunft?
Musik ist etwas äußerst Vergängliches, das werde ich sicher nicht mein Leben lang machen. Ich will mein Studium beenden, das gerade auf Eis liegt, mit der Natur im Einklang leben. Vielleicht zusammen mit Freunden auf einem Hof. Ich könnte mir vorstellen, in einem Nationalpark zu arbeiten, um den Menschen zu erklären, wie schön und schützenswert die Natur ist. Oder im Fernsehen "Löwenzahn" moderieren.
Deutschlandradio (März 2008)
Der DJ und Vogelfreund Dominik Eulberg
Der 29-jährige Dominik Eulberg gehört derzeit zu den gefragtesten Techno-Musikern Deutschlands. In diesem Jahr legt er in Clubs in Japan, USA, Kanada, Australien und Südafrika auf. Entspannung findet er in der Natur. Seine neue Platte heißt "Herbarium". Darauf finden sich Titel wie "Kuckucks Lichtnelke".
Ich geh mindestens einmal alle zwei Wochen Vögel beobachten und geh sonst auch immer viel spazieren, nach drei vier Stunden wandern, da ist irgendwann so ein Punkt, da ist man wieder in sich angekommen.
Sagt Dominik Eulberg, 29, DJ, Musiker, Naturfreund und leidenschaftlicher Vogelbeobachter.
Natur ist für mich eine ganz wichtige Inspirationsquelle, ich denk immer an irgendwelche Wanderungen, das sind so ganz tolle Gefühle und Emotionen, die man in sich aufgesogen hat , die man auch immer abrufen kann.
Er sieht noch jung aus, besonders dafür, dass er sich ständig die Nächte um die Ohren haut. Wenn er auflegt, sich über die Plattenteller beugt, hängen ihm die blonden Haare weit ins Gesicht.
Dominik Eulberg hat sich in den vergangen Jahren in der Clubszene einen Namen gemacht, international. Nicht nur als DJ, sondern auch als Remixer und mit seinen eigenen Platten, auf denen sich so schöne Titel finden wie: "Die Invasion der Taschenkrebse" oder "Die Rotbauchunken vom Tegernsee".
Clevere Vermarktungsstrategie könnte man meinen, doch Dominik Eulberg hatte schon immer einen besonderen Bezug zur Natur: Geboren 1978, ist er in einem kleinen Provinzstädtchen im Westerwald aufgewachsen, direkt am Waldrand. Ohne Fernseher. Der Vater Biologielehrer und in diversen Naturschutzorganisationen engagiert:
Der hat uns eben schon als Kinder alles gelehrt und gezeigt, und schon als ich sechs, sieben Jahre alt war, kannte ich alle Schmetterlinge und Vögel, das war dann eben so unser Fernsehersatz, jeden Tag rausgehen und schauen, was gibt's da Neues, und das war immer total spannend und es wurde nie langweilig.
Erfahrungen, die ihn geprägt haben. Für Musik interessiert er sich lange überhaupt nicht, bis er mit 14 zufällig im Radio die "hr-clubnacht" mit Sven Väth hört:
Und war dann so total fasziniert, weil ich mir das gar nicht erklären konnte, was sind das für Geräusche, wo kommen die denn her und gerade für mich als einen, der immer in der Natur war, war das was Befremdliches und das hat mich total fasziniert, weil es so was total Gegensätzliches zu meinem bisherigen Leben war.
Es reizt ihn, diese andere Welt zu erkunden, er kauft sich Synthesizer, Drum-Computer und Effektgeräte:
Und bin dann so dahintergekommen, wie das funktioniert, wie so ein Klang entsteht, so mit Oszillatoren und Hüllkurven, das waren immer so Klangforschungsprojekte, die ich gemacht hab.
Und er beginnt aufzulegen. Nach Abitur und Zivildienst geht er nach Bonn, um dort "Ökologie und Umwelt" zu studieren - was er aber inzwischen - der Musik wegen - auf Eis gelegt hat. Zweimal arbeitet er in Nationalparks, Müritz und Wangerooge, macht Führungen, erklärt die Pflanzen- und Tierwelt - und er tourt durch die Clubs, bis an seine körperlichen Grenzen. Die Quittung, vor vier Jahren, ein Hörsturz.
2004 erscheint sein erstes Album: "Flora und Fauna", bei "Traumschallplatten" in Köln. Sein drittes Album kommt 2007 bei Cocoon heraus, dem Label von Altmeister Sven Väth: Irgendwann klingelte bei mir das Telefon und dann sagte er so: Hallo, hier ist Sven Väth aus Frankfurt, wie geht's, und ich dachte das wäre irgendein ein Freund, der mich auf den Arm nehmen will und sag so: hallo Sven, wie ist das Wetter bei euch, aber das war er dann eben wirklich. (…) Das war für mich unglaublich, weil das so in meinem Kosmos schon so das Größte war, hat mich gefragt, ob ich einen Remix machen will, und die waren dann immer total begeistert und dann hat er mich irgendwann gefragt, hast du Lust ein Album zu machen, und dann muss man nicht lang überlegen, weil das schon was ganz Besonderes ist, so ein Jugendtraum, den man sich erfüllt.
Der 29-Jährige lebt in Bonn, allein, das Los des Wochenend- und Nachtarbeiters, da bleibt wenig Raum für engere Beziehungen. Vor drei Jahren hat er sich im Westerwald ein Häuschen gemietet, direkt am Waldrand - und ein Studio eingerichtet.
Da hab ich einen Holzkamin und ausgestopfte Tiere an der Wand, so ein bisschen urig, so wie in einer Jagdhütte, da fühl ich mich wohl.
Japan, Australien, USA, Südafrika, Mexiko, Brasilien - Eulberg ist ein gefragter Mann.
Egal, ob man Liebeskummer hat oder die Oma gestorben ist, man muss auf der Bühne stehen und gute Laune verbreiten.
Länger als 10 Jahre will er das nicht mehr machen:
Dann wäre ich ja schon fast 40, nee dann muss noch bisschen Zeit bleiben für mein zweites Leben, mein Leben für den Naturschutz.
Naturschutz heute (Februar 08)
Gezwitscher im Techno-Beat
Zu Besuch bei Dominik Eulberg.
Naturgeräusche vermischen sich mit Technobeats. Rohrdommel, Schwarzspecht, Zilpzalp und Kolkrabe werden am Mischpult zu „Vocals“, „Drums“ und anderen Musikkomponenten. „Die Alpenstrandläufer von Spiekeroog“, „Die Invasion der Taschenkrebse” oder „Löwenzahn-Luftwaffe“ heißen Dominik Eulbergs Techno-Songs.
Das klingt seltsam? Ja, irgendwie schon. Aber es kommt beim Publikum gut an. Seit drei Jahren ist Eulberg in der Technoszene international bekannt, er legt unter anderem in Russland, Japan, Brasilien und in den USA auf. 2004 wurde er zum besten Newcomer des Jahres und 2005 zum besten Produzenten gewählt. Für sein zweites Album, „Heimische Gefilde“, erhielt Eulberg den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.
Auftanken im Westerwald
Dass wir uns um die Mittagszeit treffen, wirft den 29-Jährigen etwas aus seinem normalen Rhythmus. „Normalerweise gehe ich erst morgens schlafen und stehe gegen Nachmittag wieder auf“, erklärt er. Wenn er nicht gerade irgendwo in der Welt unterwegs ist, verbringt Dominik Eulberg seine Nächte vor Synthesizer und Mischpult und entwirft neue Songs. „Ich verarbeite in meiner Musik Dinge, die mich beschäftigen. Die Natur dient als Inspirationsquelle.“
Fühlt er sich ausgebrannt, tankt der begeisterte Vogelkundler in der Natur wieder auf. Dabei treibt sich der gebürtige Westerwälder vor allem in heimischen Gefilden herum. Auf dem Weg zur Westerwälder Seenplatte erzählt Eulberg einiges über seine Heimat. Woher der Westerwald seinen Namen hat beispielsweise. Früher bestand dieser hauptsächlich aus Rotbuchen und „Wester“ ist das altgermanische Wort für die Buche.
Eulberg stellt sein Stativ auf, richtet das Spektiv ein und hat auch gleich einige Raritäten vor der Linse. Nun ist seine Liebe zur Vogelwelt unverkennbar. Begeistert beobachtet er Silberreiher, Gänsesäger und Schellenten. „Dabei bin ich gar kein Artenjäger. Es ist vielmehr die Entwicklung an einem Ort im Laufe eines Jahres, die mich fasziniert, wie Zugvogelarten kommen und gehen.”
Natur statt Fernsehgerät
Seine Beziehung zur Natur hat er bereits in die Wiege gelegt bekommen. „Meine Eltern sind ebenfalls sehr naturbezogen. Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr bin ich ohne Fernseher aufgewachsen.“ Während ihn das als Kind sehr gestört hat, sagt er mittlerweile, dass das seine Kreativität gefördert hat. „Ich habe mich immer schon sehr für die Natur interessiert. Sie war mein Fernseher.“
Wie geht das denn nun mit dem Techno und dem Vogelgezwitscher? Meistens werden Naturgeräusche doch mit Entspannung, Sanftheit und Ursprünglichkeit assoziiert. Techno dagegen gilt eher als unruhig und hart. Eulberg sieht das anders: „Techno ist ein sehr ursprünglicher und triebhafter Musikstil, der vom Rhythmus bestimmt ist. Solche Musikformen gibt es in vielen alten Kulturen. Am bekanntesten sind vielleicht die Trommeln in afrikanischen Stämmen. Ich habe festgestellt, dass viele Hörer elektronischer Musik eine besondere Sensibilität für Natur haben.” Er vergleicht den Technobeat außerdem mit dem Herzschlag, dem frühesten Geräusch, das der Mensch hört.
Wieder-Entdeckungen
Seine aktuelle Platte „Bionik“ findet bereits im Titel den Spagat zwischen Biologie und Technik. Auf ihr werden die Genialitäten der Natur beschrieben, die sich die Menschen abgucken und für ihre Zwecke verwenden. So heißen die Titel beispielsweise „Autopfoten” oder „Lotuseffekt.“ Überhaupt haben Eulbergs Platten außer jeder Menge Unterhaltungswert stets auch einen lehrreichen Inhalt. Auf seiner zweiten Platte „Heimische Gefilde” ist dies am offensichtlichsten. Hier stellt Eulberg zwischen den einzelnen Tracks besondere Tierarten vor und gibt einige wissenswerte Infos zum Besten. So lernt der Technofreund ganz nebenbei etwas über die Rote Waldameise, den Waldkauz oder den Großen Abendsegler.
„Viele Menschen haben den Bezug zur Natur völlig verloren. Sie laufen durch den Wald und hören nichts. Dabei gibt es unendlich viel zu hören und zu entdecken. Ich versuche, die Leute wieder für die Geräusche in ihrer Umwelt zu sensibilisieren. Ihnen die Natur nahe zu bringen.” Dass das funktioniert, sieht der Musikproduzent – übrigens seit vielen Jahren NABU-Mitglied – an den Reaktionen seiner Fans. „Ich bekomme E-Mails, in denen mir die Leute von ihren Entdeckungen in der Natur berichten, oder mich fragen welches Tier das war, das sie bei ihren Streifzügen durch die Natur gesehen haben. In Moskau kam auf dem Flughafen jemand auf mich zu und hat den Ruf einer Goldammer nachgeahmt, den er sich von einer meiner CDs eingeprägt hatte Solche Ereignisse bestätigen mich darin, dass es der richtige Weg ist einen kleinen Beitrag zum besseren Naturverständnis junger Leute zu leisten.”
Ziel Park-Ranger
Produziert werden die mit Naturgeräuschen gespickten Platten im eigenen Studio, einem kleinen Häuschen am Waldrand. Und was liegt ihm denn nun eigentlich mehr am Herzen, die Musik oder die Natur? Diese Frage kann der Musikproduzent, der zur Zeit Ökologie und Umwelt in Bonn studiert, nicht beantworten. Beides sei ihm wichtig, sein berufliches Ziel sei es allerdings, Ranger in einem Nationalpark zu werden. Erfahrungen hat er darin bereits durch Praktika in den Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und Müritz gesammelt. Für den Rest seines Lebens Platten auflegen möchte er nämlich nicht, das schlaucht zu sehr.
Dennoch steht momentan die musikalische Karriere im Vordergrund. Dominik Eulberg basteltet an seiner neuen Platte „Herbarium“. Er spielt sein jüngstes Stück vor, für das noch ein geeigneter Titel fehlt. „Es ist wie eine lange Reise. Ein Stück voller Wechsel und Überraschungen. Eigentlich wie ein Spaziergang durch den Wald. Hier weißt du auch nicht, was dich hinter der nächsten Biegung erwartet, oder?“
Spiegel (Dezember 2007)
Der perfekte Soundtrack für Vogelbeobachtungen im Winter kommt vom Minimal-Techno-Poeten Dominik Eulberg
Sogar Karl Lagerfeld ist Eulberg-Fan. Auf dem Cover seines bereits mit dem "Preis der deutschen Schallplattenkritik" honorierten Albums "Heimische Gefilde" sitzt der Künstler als Conferenciér mit Kopfhörern vor dem Originalmischpult von Karlheinz Stockhausen. Dominik Eulberg macht unaufdringlichen, aber dennoch hell strahlenden Ambient-Techno. Auch als DJ und Remixer weltweit von Erfolgen verwöhnt, trat Eulberg in der Vergangenheit unter anderem als Naturforscher und Ornithologe in Erscheinung: Seine Tracks hießen "Das Röhren der Rotwildbrunft", "Die Seeadler der Müritz" oder "Rauhhautfledermaus und großer Abendsegler". Im "Stelldichein des Westerwälder Vogelchores" ließ er einmal eine seiner CDs mit einem hinreißenden Vogelchor enden und stellte mit Heinz-Sielmann-Tonfall zwischen den Stücken je einen gefiederten Freund aus dem Westerwald vor.
Auf "Bionik" gibt es nun die grandiosen "Libellenwellen" und die "Löwenzahn-Luftwaffe", zudem einen noch etwas komprimierteren und konzentrierteren Sound. Ähnlich einiger Veröffentlichungen der Labels Kompakt (Köln) und Dial (Hamburg) hat auch der Bonner Dominik Eulberg eine kaum verwechselbare Poesie des Minimalen gefunden, mit warmen Flächen, mehrheitlich gutmütigen Beats und niemals überladenem Habitus. Vogelbeobachtung im Winter, dieses Mal fast ganz ohne Federvieh.
basler zeitung / Schweiz (Juli 2007)
Dominik Eulberg, waren Sie heute schon draussen in der Natur?
Ich sitze gerade an der Schlussphase für mein neues Album auf Cocoon und habe es mir aber nicht nehmen lassen ein Stündchen durch die Wiesen in der Nähe meines Studios zu streichen um ein paar Vögel zu beobachen. Ein guter Ausgleich.
Mit elektronischer Musik verbindet man ja spontan eher urbane Landschaften. Wie passen ihre Begeisterung für Vögel und ihre Beschäftigung als Park Ranger mit der Produktion von Minimal-Tracks zusammen?
Techno und Natur sind sich näher als man auf den ersten Blick meint. Techno ist eine sehr instinktive und triebhafte Art von Musik. Man tanzt stundenlang zu monotonen Rhythmen. Ich denke das liegt daran, dass die ersten Geräusche die wir im Mutterleib hören, die des schlagendes Herzens unserer Mutter sind. Zudem finde ich, dass das Fließen und Kommen und Gehen man mit Technomusik sehr gut beschreiben kann. Außerdem sind viele Synthesiser die Instrumente sie sich am ehsten nach Tierlauten anhören, man vergleiche zum Beispiel ein Froschkonzert mit einer Roland TB-303.
Wie sind Sie als Naturbursche überhaupt zum Techno gekommen?
Ich wuchs wohlbehütet im Einklang mit der Natur im Westerwald auf. Musik interessierte mich nie, bis ich Anfang der 90er das erste Mal Techno hörte. Ich hatte schon ein gutes Verständnis dafür, wie Prozesse in der Natur ablaufen, aber ich konnte mir nicht erklären wo diese so mystischen Klänge herkamen. Von da an hatte mich das Fieber gepackt diesem Geheimnis auf die Schliche zukommen.
Nervt Sie das viele Reisen, wenn Sie als DJ unterwegs sind? Wie arrangieren Sie sich mit dem ganzen Stress und Lärm, den dieses Leben mit sich bringt?
Es ist zwar im wieder schön diese vielen wunderschönen Orte der Welt zu sehen, so viele interessante Menschen zu treffen und so schöne musikalische Momente zu erleben, doch es schlaucht schon sehr, 2-3 mal die Woche Auftritte zu haben. Deshalb habe ich nun immer ein freies Wochenende im Moment um mehr Zeit mit mir, meiner Freundin, meinen Freunden und dem Produzieren zu verbringen. Die Ruhe und Stille der Natur sind mir auch ein ganz wertvoller Ausgleich.
Seit „Flora und Fauna“, besonders aber „Kreucht & Fleucht“ werden Sie oft als Wegbereiter eines neuen Subgenres von Tech-House und Minimal bezeichnet – Ob man dies nun „Ketamine House“ oder anders nennt. Wie würden Sie selbst Ihren Stil bezeichnen?
Das ist immer eine ganz schwierige Sache, sein eigenes Schaffen einzuorden. Ich denke ich mache einfach moderne elektronische Musik mit Liebe zum Detail und einer Liebe zur Natur.
Wie kommen Ihre Tracks und Remixes zustande? Können Sie etwas über Ihre Arbeitsmethode erzählen? Sie leben ja ziemlich zurückgezogen?
In meinem Studio am Waldrand habe ich viel Ruhe und Muhse um ganz in die Welt der Klänge einzutauchen. Ich versuche bei meinen Produktionen die modernsten Methoden der Computermusik mit der wärme analoger Klangerzeuger zu kombinieren. Eine feste Arbeitsmethode habe ich da keine, es ist wichtig immer wieder zu versuchen neue Wege zu gehen und sich nicht selber zu kopieren.
Zelebrieren Sie eigentlich ihren Aussenseiter-Status bewusst, oder hat der sich einfach so ergeben?
Die Kombination meiner beiden Leidenschaften ist nichts alltägliches. Bewusst zelebrieren tue ich dies aber nicht, ich versuche einfach mir immer treu zu bleiben und das zu tun was ich für richtig halte.
Wie fallen Ihnen eigentlich immer diese schrägen Titel für Ihre Tracks ein?
Da ich in der Natur aufgewachsen bin, mein Vater Naturforscher, ich Biologie studiert habe, als Parkranger gearbeitet habe und Ornithologie mein grosses Hobby ist war es einfach das naheliegenste meine grosse Leidenschaft da mit hineinzubeziehen. Zudem habe ich schon immer eine grosse Vorliebe für einen gewissen Wortwitz à la Heinz Erhardt gehabt.
Zurzeit ist es wieder hip geworden, auf Techno, dieses Mal Minimal, einzuhauen, und dessen Tod zu verkünden. Wie stehen Sie dazu?
Trends kommen und gehen. Es entstehen immer wieder Hypes durch das zusammenspiel vieler Faktoren, aber sterben wird ein neuer Spross der Musik nie. Jede Spielart findet immer Sympathisanten, da jeder Mensch anders ist.
New York Times / USA (Juli 2006)
A Techno Minimalist for Anti- Minimalists
The D.J. Dominik Eulberg at Cielo in the meatpacking district.
It was Thursday night at the nightclub Cielo in the meatpacking district, and a team named We Are Robots was giving a dance party. We Are Robots promotes what its members call “minimal house, techno and electro,” and the word “minimal” is crucial.
To cultish listeners around the world, “minimal” describes a constellation of electronic tracks that tend toward the sleek, the empty, the meticulous, the abstract. Instead of a wailing diva or a barrage of samples or a hummable tune, you get clicks and gurgles and smudges, slowly decaying or mutating. There’s a hint of snobbery, too: if a D.J. is playing this stuff, that means the club probably won’t be full of cheap cologne and sugary cocktails.
But at this We Are Robots party, the sound rattling out from the speakers could hardly be described as minimalist. The culprit was Dominik Eulberg, a D.J. and producer from Bonn who takes a mischievous pleasure in toying with minimalist conventions. He began his set around 1:30 a.m., with a furious selection of frenetic techno tracks, using cross-cut rhythms to reach a series of blaring, rhythmless peaks.
The crowd, which included both music geeks (who knew what they were in for) and casual clubbers (who couldn’t possibly have known), responded by alternately dancing and staring at the booth. Up above the dance floor, a shaggy blond guy was fiddling with his equipment and, from time to time, swigging Champagne.
Mr. Eulberg’s debut album, “Flora & Fauna” (Traum Schallplatten), was released in 2004, but it was his 2005 double-CD mix, “Kreucht & Fleucht” (Mischwald), that helped win him a following, albeit a tiny one, in the United States. In a review for the indie Web site Pitchfork, Philip Sherburne called it “a guide to the Now Sound of clattery, post-minimalist German techno.” Throughout the two discs, Mr. Eulberg delights in emphasizing sounds that might once have seemed off-limits: snarling bass lines borrowed from acid house and triumphal keyboard lines that evoke progressive house, the populist genre that minimalists once loved to hate.
You can hear that impulse in Mr. Eulberg’s own tracks, too. In a single from 2004, “Die Rotbauchunken vom Tegernsee” (Traum Schallplatten), the beat suddenly drops out to make way for a weird, fluttery break and a brief, manic drum solo. He’s interrupting himself.
On Thursday night Mr. Eulberg was joined by Ada, a producer from Cologne who has perfected her own playful style; you can hear it on her excellent 2004 album “Blondie” (Areal), which includes a lovely, hazy house version of “Maps,” by the Yeah Yeah Yeahs. (All these CD’s are available in the United States from forcedexposure.com.) Ada played live — that is, using electronics, not records — and she found a different way to edge away from minimalism: her sharp, squelchy tracks sometimes sounded like pop songs in (deep) disguise.
In this context, Mr. Eulberg’s attack seemed even more severe. He knows how to get listeners to focus on a small detail in a noisy track: the way a repeated clang slowly changes timbre, for example. And he loves playing with size and scale. He often superimposes small events (like that mutating clang) on big ones (like an abrupt shift in rhythm, or an overwhelming siren sound that comes out of nowhere). As you dance, you get the dizzying sensation of hearing two kinds of musical narratives at once.
Certainly Mr. Eulberg didn’t invent these techniques, and the best minimalist D.J.’s put together sets full of drama and mischief. But while Mr. Eulberg hasn’t completely abandoned the minimalist tradition (it’s not as if he plays anything so obvious as a song), he has a knack for exposing its contradictions.
By 3 a.m., he had shifted from prickly techno to something grander and mellower. He would introduce big, glacial synthesizer melodies, and then, just as the tension was building, the beat would cut out for a few bars; the dancers found themselves moving to something that wasn’t there. In a way, these late-night records were as disorienting as the cacophonous techno records that had come before. Mr. Eulberg was doing his job: making sure everyone had a hard, dazed night.
Kölner Stadtanzeiger (Dezember 2005)
Unter den Techno-Produzenten gibt Dominik Eulberg den seltsamen Kauz. Kauz im wahrsten Sinne des Wortes: In seinen Tracks gehören Vogellaute zum guten Ton.
Da möchte man gerne sein, wo Dominik Eulberg gerade ist: „Außer Bäumen, Wiesen und Seen gibt's hier nicht viel“, sagt er durchs Telefon. Dominik ist nach Hause gefahren in den Westerwald, dorthin, wo seine Eltern wohnen, wo er sich jüngst ein Häuschen am Waldrand gemietet hat, um in Ruhe seine neue Platte aufzunehmen, und von wo er vor noch gar nicht allzu langer Zeit aufgebrochen ist in die große, laute, flirrende Welt des Techno. Gerade ist Dominik von den Lesern der Szene-Zeitschrift „Groove“ zum Produzenten des Jahres gekürt worden. Noch kann er staunen über solche Ehren: „Ich mache ja erst seit zwei, drei Jahren Platten. Und dann wird man plötzlich Produzent 2005.“
Seine Wochenenden verbringt er zumeist nicht, wie andere 27-Jährige, bei der Freundin auf der Couch und im Stammclub um die Ecke, sondern auf Flughäfen und DJ-Kanzeln zwischen Berlin und Tokio, Madrid und - klar - auch seiner musikalischen Homebase Köln. „Das ist schon anstrengend“, sagt er. „Aber natürlich auch gut.“ Montags kommt er nach Hause, um sich zu erholen, dienstags sucht er nach neuen Platten für seine DJ-Jobs, mittwochs hat er Zeit zum Musikmachen, Donnerstag ist Uni-Tag. Schließlich ist Dominik Student - Geographie.
„Zurzeit ist der musikalische Erfolg groß“, sagt er. „Und ich kann im Moment auch keine Anzeichen erkennen, dass das in nächster Zeit zu Ende geht. Aber ich will mich trotzdem nicht nur über die Musik definieren.“ Ganz und gar nicht: „Das Musikmachen ist nur eine Phase“, glaubt er. Später, nach dem Studium, will er im Naturschutzbereich sein Geld verdienen. Engagiert ist er schon jetzt: Als Hobby-Ornithologe führt er Kinder in die Vogelwelt ein, als Profi-Produzent bringt er Techno-Tänzern das Zwitschern bei - von Rohrdommel, Basstölpel oder Rotbauchunke.
Das neue, schnelle Leben begann vor gut zwei Jahren. Damals veröffentlichte er seine erste Maxi-Single („Der Hecht im Karpfenteich“) auf dem Kölner Label Traumschallplatten von Riley Reinhold und Jacqueline Klein. Weitere Releases folgten und wanderten in die Koffer solch renommierter DJs wie Sven Väth. Remix-Anfragen häuften sich, auch das Album („Flora & Fauna“) übertraf die Erwartungen. Mittlerweile kann es sich Dominik leisten, wählerisch zu sein: „Ich verdiene inzwischen ganz gut“, sagt er. „Ich muss zum Beispiel nicht jedes Remix-Angebot annehmen, ich mache nur, worauf ich wirklich Lust habe.“
Lust hat Dominik auf jeden Fall auf ein zweites Album. Die Uni wird deshalb ein Semester lang ganz auf ihn verzichten müssen. Und das verdiente Geld ist zum Teil schon gut angelegt: „Bis jetzt bestand mein Studio nur aus meinem Laptop und einem alten Computer. Aber es gibt da ein paar gute Geräte, die mehr Möglichkeiten bieten. Schließlich will ich nicht auf der Stelle treten.“ Das eingangs erwähnte Häuschen am Waldrand wird also neue Synthesizer, Drum-Machines und Abhörboxen beherbergen dürfen. Im Frühjahr, mitten im Balzgeschrei der Vögel, will er sein Album einspielen, für das er eine Einladung von höchster Stelle erhalten hat: Techno-Urgestein Sven Väth wird es auf seinem Label Cocoon veröffentlichen. „Im August“, hat sich Dominik vorgenommen, „will ich damit fertig sein.“
Doch ungeachtet all der neuen Kisten: An seiner Art des Komponierens will Dominik nicht rütteln: „Der Grundgedanke bleibt derselbe: Ich versuche, akustische Bilder zu malen - einen Sonnenuntergang, eine Pflanze, ein Tier. Ich will bei den Leuten Assoziationen wecken und ihnen was von der Schönheit der Natur erzählen.“ Das klappt? Mit Techno? „Nicht immer. Aber manche Leute schicken mir Mails, dass sie das bildlich vor sich sehen. Das kann man natürlich nicht von jedem erwarten.“ Wer also demnächst in seinem Lieblingsclub manische Tänzer bei dem Versuch beobachtet, Tierlaute nachzuahmen oder eine Art Ententanz zu tanzen, muss sich nicht wundern: Sie haben offenbar Eulberg gehört.
Zwitschern bringt Dominik seinen Fans übrigens nicht nur musikalisch bei: Mit einem Freund aus dem Westerwald hat er jüngst einen Schnaps aufgelegt, der dem Mode-Gesöff „Jägermeister“ ähnlich, aber, so sagt Dominik, „geschmacklich runder und weniger beißend“ sein soll. Der Name beschreibt Inhaltsstoffe des Getränks wie das Kopfinnere des Konsumenten am nächsten Morgen gleichermaßen: „Kraut & Rüben.“ Wohl bekomm's!
taz (Juni 2005)
Die wundersame Natur des Dominik Eulberg
Die Tracks heißen "Die Trottellummen von Helgoland", "Der Zug der Kraniche - Boten der Veränderung" oder auch ",Brenzlich, Brenzlich' dachte der Feuersalamander". Das klingt nach einer hübschen Marketingidee. Doch zum Glück liegt der Fall beim Albumdebüt "Flora & Fauna" des Techno-Produzenten Dominik Eulberg anders. Seine Song-Titel sind keine Anbiederung an einen naturversonnenen Wellness-Zeitgeist. Der 28-jährige Eulberg ist tatsächlich Naturfreund. Im Moment treibt er sich an der Bonner Uni herum, eigentlich will er Park-Ranger werden. Die Liebe zur Natur schlägt sich in Eulbergs Musik wieder - auf verschiedenen Ebenen. Auf der Soundoberfläche bereichern Naturgeräusche in Gestalt von Samples das Klangrepertoire. Nach einigen Hördurchläufen glaubt man zudem, die rätselhafte Tier- und Pflanzenwelt in den Tracks wiederzuerkennen, weil sie wie die klangliche Umsetzung einer faszinierenden Beobachtung wirken. Mit einer schluffigen Niedlichkeit, die in Plattenbesprechungen gerne in Worte wie Schnurpsen, Knistern oder Schnattern übersetzt wird, hat diese Musik trotz der so anmutenden Titel nichts zu tun. Eulberg groovt, er treibt einen mit kraftvollen, nie langweiligen Beats durch die Tracks. Seine Techno-Initiation hatte Eulberg im Teenageralter, als er mit Kumpels vor dem Radio hing, wenn Sven Väth auflegte. Das scheint bis heute durch, doch Eulberg hat mit seiner Detailverliebtheit mehr draus gemacht. Man schafft es bei den ersten Hördurchgängen kaum, all den Streiflichtern, die er über seine Beats gelegt hat, hinterherzugucken. Dauernd muss man den Kopf nach rechts und links, nach oben und unten drehen. In einem englischsprachigen Internetforum wird seine Platte deshalb als "teaser techno" bezeichnet. Doch das ist natürlich ein viel zu Kalkül-befrachteter Begriff für eine Platte, die ist wie ein Waldspaziergang auf Pilzen.





