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Es kreuscht und fleuscht im Musikantenstadtl

Dominik Eulberg

Würden wir heute alle alt und ergraut sein und Samstagabends nichts besseres mehr zu tun haben, als uns vor der heimischen Glotze von „Unserem Ersten“ bestrahlen zu lassen, dann würde zum Höhepunkt der Show vielleicht ein noch ergrauterer Moderator im maßgeschneiderten Zweiteiler mit großer Brille und einem ziemlich unansehnlichen Gebiss seine letzte Karteikarte zücken, die Stimme leicht anheben und uns einen Bonner Student der ökologischen Geografie ankündigen, von dem man sagen „Er hat es geschafft: Achtundsiebziger Baujahr, seit zehn Jahren begeisterter Musikant und Schallplattenunterhalter, über ein Dutzend Veröffentlichungen auf so namhaften Plattenfirmen wir Traum, Trapez, Raum…Musik oder Ware und jüngst erst von Raveline-Redaktion und Groove-Leserschaft zum Newcomer des Jahres gewählt - hier ist er für sie: DOMINIK EULBERG!“

Doch zurück zur Realität - Steffen Bennemann stellte dem Shootingstar und Begründer des Natur-Technos ein paar Fragen:

Du produzierst wie ein Weltmeister, legst inzwischen fast jedes Wochenende auf - und nebenbei studierst du noch. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Ja es schon alles ein bisschen viel im Moment. Doch ich versuche, mir Retentionsräume freizuhalten, gehe viel in die Natur und mache zweimal die Woche Sport. Und so viel produziere ich nun auch nicht. Viele Leute denken, ich würde jeden Tag musizieren, doch dazu kommt es vielleicht einmal die Woche. Ich mache nur Musik, wenn ich in einer entspannten, kreativen Stimmung bin, dann sprudelt's auch direkt. Mein Studium muss sich aber im Moment ein bisschen hinten anstellen, doch ich verliere es nicht aus dem Auge. Mir ist es schon sehr wichtig, mein Diplom zu machen und später im Naturschutz tätig zu werden. Musikbusiness ist schon ein sehr stressiges, kurzlebiges Geschäft, das ich nicht mein Leben lang machen möchte. Ich nehme die schöne Zeit jetzt halt eben als Erfahrungen mit, doch wahre mir stets eine gesunde Distanz zu dem ganzen Trubel.

Der Buschfunk flüsterte, dass du jüngst einen Tinnitus hattest? Ist das Vergangenheit oder wirst du auch in Zukunft mehr auf dein körperliches Wohlergehen achten müssen?

Ja, da hat der Buschfunk richtig getrommelt. Letztes Jahr im Herbst erlitt ich einen Hörsturz, nachdem ich drei Tage am Stück aufgelegt habe und ein Tinnitus blieb. Durch verschiedene Maßnahmen konnte ich ihn jedoch stark reduzieren, so dass ich ohne Probleme damit leben kann. Trotzdem deute ich es als Zeichen, die Uhren etwas langsamer ticken zu lassen und lege deshalb etwa nur einmal am Wochenende auf. Außerdem habe ich mir Ohrstöpsel anfertigen lassen, womit mein Gehör gut geschützt ist. Ich kann jedem DJ solche Ohrstöpsel nur wärmsten empfehlen, bevor es zu spät ist, denn ich habe mittlerweile Unmengen von DJ-Kollegen gefunden, bei denen der „Mann im Ohr“ dauerhaft eingezogen ist.

Kannst du dir vorstellen, auch als Liveact in Erscheinung zu treten?

Ständig werde ich gefragt, live zu spielen. Vor langer Zeit habe ich sehr oft live gespielt. Ständig die ganzen Geräte mit rumschleppen, ständig ging was kaputt. Zudem sind da auch so viele Faktoren, die da zu einem Schieflaufen führen können, so dass ich irgendwann die Schnauze voll hatte. In jüngster Zeit spiele ich aber schon mit dem Gedanken wieder live zu spielen, doch wäre ein reiner „Laptop-Liveact“ mir zu unauthentisch und zu langweilig. Mal schauen, vielleicht finde ich irgendwann mal wieder die Zeit und Muse, einen vorzubereiten.

Warum hältst du dir das Pseudonym „Rocco Branco“? Worin bestehen die Unterschiede zwischen Eulberg und Branco?

Mein Rocco-Pseudonym steht für den etwas schrägeren, derberen Sound. Manchmal habe ich halt eben richtig Lust drauf, mal in die Rolle des verwegenen Roccos zu schlüpfen und mit einer ganz anderen Motivation Musik zu machen. Urlaub vom Ich eben.

Natur-Samples und -Tracktitel sind zu deinem Markenzeichen geworden - Empfindest du das nach wie vor als Bereicherung oder gibt es inzwischen auch Momente, da dir dieses Markenzeichen zum klischeehaften Zwang wird? Wenn z.B. Remix-Anfragen kommen - Erwarten deine Interessenten mitunter, dass du dem Originalmaterial noch das eine oder andere Vogelzwitschern o.ä. hinzufügst?

Nein, in irgendeine Schublade lasse ich mich nicht zwängen. Bisher hat auch niemand erwartet oder gefordert, Vogelzwitschern in meinem Remix zu haben. Klar, Natur spielt in meinem ganzen Leben eine sehr wichtige Rolle und wird sie wohl auch immer spielen. Deshalb war es für mich das einfachste, beide zu kombinieren, doch habe ich natürlich auch noch andere Facetten, die ich ab und an rauslassen werde.

Was kannst du uns über deine demnächst erscheinende Mix-CD für Kompakt erzählen?

Die Mix-CD wird „Kreuscht & Fleuscht“ heißen. Es wird eine Doppel-CD geben, mit dem typischen Sound den ich so auflege, mit einer ruhigeren „Kreuscht“ CD und einer derberen „Fleuscht“ CD. Erscheinen wird sie Mitte Juni...

Was steht außerdem in nächster Zeit im Hause Eulberg so an?

Jetzt gerade erschienen Remixe von Misc. und Einmusik für meine Rocco Branco auf Platzhirsch. Im April wird es Remixe von Robag Wruhme und Tobi Neumann für die „Rotbauchunken“ geben und einen Exklusiv-Track für die Raum…Musik Compilation. Im Mai erscheint ein Track für die „Interkontinental“ auf Traum, mein Remix für Steve Barnes „Cosmic Sandwich“ und eine neue Single von mir auf Raum...Musik, „Die Wildschweinsuhle“. Im Juni kommt dann mein Remix für Nathan Fakes „Dinamo“, ein Exklusiv-Track für die Cocoon-Box und meine Mix-CD „Kreuscht & Fleuscht“. Dann kommt noch dieses Jahr eine weitere Single von mir auf Traum und eine neue Rocco Branco, sowie Remixe für mein Album „Flora & Fauna“ zum Beispiel von Nathan Fake, Justin Maxwell und André Kraml. Zurzeit habe ich die große Ehre einen Remix für meinen Alltime-Classic Liebling Nummer 1, Cold - „Strobe Light Network“, zu machen. Es wird also nicht langweilig...

Text & Interview: Steffen Bennemann (Convulse.de)