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Dominik Eulberg hat mir erklärt, wie du Vögel im Winter richtig fütterst

Dominik Eulberg weiß, was Vögel wollen. Alle Fotos vom Künstler

Graue Wolken, Glas, Beton. Astra Turm, Atlantic Haus, Riverside. Der Wind pfeift durch Hamburgs Häuserschluchten. Alles schleicht, was sich bewegt. Gegenüber hockt ein aufmerksamer Rabe auf einer Regenrinne. Eine Kohlmeise landet auf dem Balkontisch. Drei, vier Sekunden des Wartens. Dann fliegt sie weiter.

Dieses Knarzen, Schnarren, Fiepen der städtischen Flora und Fauna dürfte Dominik Eulberg gefallen. Der Techno-DJ und -Produzent ist wie kaum ein anderer seiner Zunft Naturfreund und –schützer. Als Ornithologe und studiertem Ökologen ist es ihm ein Anliegen, persönlich, wie pädagogisch. Nicht nur ein Albumtitel wie Heimische Gefilde zeugt davon: Auf seiner Webseite betreibt er sogar einen Bestimmungsservice, wo er Tier, Pflanze oder Pilze anhand eines Fotos für dich bestimmt. Und Eulberg, der mir per Skype zugeschaltet ist, weiß was Vögel brauchen. Da unterscheiden wir uns schon mal – mein Vogelhaus fristet ungenutzt sein Dasein auf dem kargen Balkon, die Vorrichtung für Meisenknödel baumelt stiefmütterlich an der Brüstung.

Was kann ich also besser machen? Wie füttert man Meisen richtig? Und welche anderen Vögel suchen im Winter nach Futter? Und solltest du ihnen überhaupt was zu fressen geben? Im Nachfolgenden klärt Eulberg all diese Fragen für dich und mich.

Dominik Eulberg: Ich begrüße das Füttern im Winter, denn ich möchte Menschen für die Welt, in der sie leben sensibilisieren, gerade die Vogelfütterung ist eine wirksame Bühne dafür. Wann sieht man die wunderschönen Vögel sonst so nah?

Andere – und auch manche Naturschutzverbände – lehnen das sogenannte Beifüttern ab, da man so in das ökolgische Gleichgewicht eingreift. Schließlich profitieren nur 10 bis 15 ohnehin nicht bedrohte Arten von der Fütterung. Und wer füttert denn im Winter die Eisvögel oder die Schleiereulen? Andererseits: Wo greift der Mensch nicht in die Natur ein?! Manche fordern hingegen sogar ein ganzjährliches Beifüttern, da unsere von „Monokulturen geprägte Landschaft kaum noch Insekten für die Vögel bietet.

Wenn wir uns für das Füttern entscheiden, müssen wir erst einmal zwischen Körnerfressern – wie Meisen, Finken und Sperlingen – sowie Weichfutterfressern – wie Rotkehlchen, Zaunkönig und Drosseln – differenzieren. Sowohl auf dem Land, als auch in der Stadt gilt: Die optimalste Weise Vögel zu füttern, sind Futtersilos oder netzfreie Meisenknödel mit einer Mischung aus Sonnenblumenkernen und Sämerein, sowie breitflächiger Bodenstreuung von Haferflocken, Rosinen und Obst. So bleiben alle gesund und happy.

Auf keinen Fall solltest du Vögeln salzige Nahrung zu fressen geben, auch kein Brot.

Wenn du mit Meisenknödeln füttern und es optimal machen willst, dann machst du sie am besten selbst – aus Rindertalg, pflanzliches Fett geht aber auch. Und mit einer Kordel zum Befestigen, aber ohne Netz – in den könnten sich die filigranen Vogelbeinchen verheddern. Samenfresser wie Erlenzeisig und Stieglitz freuen sich über kleine Sämereien, Lein- oder Hanfsaat etwa. Weichfutterfresser füttert man in Bodennähe mit Rosinen, Obst, auch Haferflocken und Kleie. Mehlwürmer aus der Zoohandlung eignen sich ebenfalls.

Auf keinen Fall solltest du Vögeln salzige Nahrung zu fressen geben, auch kein Brot – das quillt im Magen auf. Handelsübliches Futter ist allerdings auch völlig ausreichend, man sollte nur darauf achten, dass es frei von Ambrosia-Samen ist. Dieser gefährliche Neophyt wird bei uns fast ausschließlich durch Vogelfuttermischungen aus Osteuropa verbreitet und wirkt auf den Menschen hochallergen.

Zudem sollte dir klar sein, dass man auf eine gewisse Grundhygiene der Futterplätze achten muss. Gerade in Futterhäusern koten Vögel auf das Futter, welcher dann von anderen aufgenommen werden kann. Dies ist dann ein potentieller Herd für Krankheitserreger wie Trichomonaden. Deshalb solltest du Futterhäuser nur mit wenig Futter befüllen und täglich mit heißem Wasser auswaschen.

Viel optimaler sind da sogenannte Futtersilos, die wartungsfrei sind, da die Vögel hier auf einer Stange sitzen und es nicht zu solchen Vorfällen kommen kann. Außerdem kannst du die Futterstellen noch mit speziellen Abwehrringen gegen Katzen schützen, oder einfach die Nachbarn bitten, auf ihre Katzen etwas mehr zu achten, gerade wenn wir eine geschlossene Schneedecke haben und es die Vögel eh schon schwer haben.

Hat man eine Futterquelle aufgestellt, muss sich erst einmal unter den Vögeln "herumsprechen", wo sie ist.

Hat man eine Futterquelle aufgestellt, muss sich erst einmal unter den Vögeln "herumsprechen", wo sie ist. Das dauert etwas. Wo sich viele Vögel ansammeln, da wissen auch die anderen: Das hat seinen Grund, hier gibt es was zu holen.

Dass es jedoch gerade diesen Winter nicht so viele Vögel an den Futterhäusern wie sonst zu beobachten gibt, hat verschiedene Gründe – abgesehen von der fortschreitenden Urbanisierung des ländlichen Raumes oder den Auswirkungen moderner Landwirtschaft wie Ackergiften, denn die sind ja jedes Jahr zu spüren.

Wir hatten 2016 eine schlechte Brutsaison wegen eines sehr feuchten Frühlings, es gab also weniger Nachwuchs. Dazu kommt ein Mastjahr, das heißt: Die Vögel fanden länger Nahrung im Wald und waren dementsprechend erst später an Futterplätzen anzutreffen. Andere sonst häufig zu beobachtende Arten wie Rotkehlchen sind auch Zugvögel. Die bei uns brütenden Rotkehlchen sind längst im Süden. Die, die wir hier im Winter sehen, sind Gäste aus dem hohen Norden. Da der Winter dort zunächst sehr mild war, kamen sie dieses Jahr sehr spät.

Interessant ist auch auch, dass man vom Buchfinken, der mit 12 Millionen Brutpaaren das größte Vorkommen in den heimischen Gefilden darstellt, im Winter nur Männchen sieht, was schon sein lateinischer Name fringilla coelebs, der Ehelose, impliziert. Die Weibchen ziehen in den Süden, die Männchen dieser Art bleiben.​

Das komplette Interview könnt ihr hier online auf thumb lesen.