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Der Naturbursche Eulberg

Da freut sich der Redakteur! Wenn man mit DJs und Künstlern aus dem elektronischen Bereich zusammenarbeitet, bleibt unsere Zunft meist nicht von ihm verschont – dem Informationsmangel! Keine Bio-, keine Diskographie, Webseite seit August 2003 nicht mehr aktualisiert, an druckbare Pressebilder ist gar nicht zu denken… Doch im Falle Dominik Eulbergs wurde ich zu meiner eigenen Freude eines Besseren belehrt. In Vorbereitung dieses Interviews sitze ich an einem schönen Samstagvormittag bei der Informationsbeschaffung, journalistisch Recherche genannt, vor der Suchmaschine und gebe einfach mal seinen Namen ein. Siehe da, eine eigene Webseite! Und aktuell! Mit allem, was ich brauche, um mich mit dem mir noch unbekannten Künstler vertraut zu machen. Da gibt's eine Bio, sogar in Deutsch, in der steht, dass der 1978 im Westerwald geborene Dominik inmitten von Natur und Sven Väths Clubnight- Radioübertragungen aufwuchs und so seine Liebe zur elektronischen Musik entstand. Mit 15 lernte er auflegen, `95 wurde der Gerätepark zum Livemusik machen zugelegt, ein eigener Plattenladen, zahlreiche Veröffentlichungen auf zahlreichen Labels – soweit nichts Besonderes, aber danke, dass ich dafür nicht zwei Tage suchen musste… Doch schaut man genauer hin und liest die Titel seiner VÖs wie „3 Viertel Pfund Unendlichkeit“, „Die Rotbauchunken vom Tegernsee“, „Der Hecht im Karpfenteich“ oder auch „Ibsy Illitron“ und hört sie sich dann auch noch an, dann versteht man, warum sein einstiger Held Sven Väth seine Platten im Case hat. Die strikte Kategorisierung in Stilschubladen kann man getrost vergessen, denn so, wie er auf verschiedenen Labels wie „Ware“, „Platzhirsch“ „Raum…Musik“ oder „Traum/Trapez“ veröffentlicht, so verschieden ist sein Stil, „vom Knarz- Bounce über Frikkel- House bis hin zum Ambiente“ (so gelesen). Das macht diesen Mann, der mittlerweile Bonner ist, sehr interessant und so bitten wir ihn nicht nur, uns ein paar Fragen zu beantworten, sondern wollen ihn am 16.10. zum 2. Freshguide Geburtstag auch hören.

Dominik, die Titel deiner VÖs schillern mit sehr außergewöhnlichen Namen. Wo liegen die Gründe dafür? Willst Du so eine gewisse Andersartigkeit ausdrücken oder ist doch alles ganz normal und Dir beim Zähneputzen eingefallen?

Nein, ich mache das nicht bewusst um eine Andersartigkeit auszudrücken, sondern so bin ich einfach. Die Musik die ich mache soll den Menschen einfach Spass und Freude bereiten und das versuche ich auch in der Namensgebung der Stücke auszudrücken. So langweilige englische Tracknamen wie „The Force“ oder was weiss ich, wären da Fehl am Platze. Zudem habe ich schon immer eine grosse Avinität zu abstrakten deutschsprachigen Namen gehabt und habe schon als Kind ein Büchlein besessen, in dem ich solche notiert habe, wenn mir was in den Sinn kam.

Früher war Sven Väth Dein „Heiland“, der dich aus der Natur in die Elektronik herüberholte, mittlerweile stecken Deine Platten in seinem Case. Was ist das für ein Gefühl, solch einen Meilenstein erreicht zu haben? Hattest Du Gelegenheiten, dieses Gefühl auszukosten oder nimmst Du das gar nicht so ernst?

Ja, dass ist schon alles ziemlich unglaublich. Wenn Du mir diese Frage vor 12 Jahren gestellt hättest dann... Natürlich erfüllt es mich mit viel Stolz und Freude, dass der „Baba Väth“ meine Musik sehr schätzt, er, der mein grosses Idol war. Doch muss man auch sehen, dass wir alle nur Menschen sind, auch der Sven. Noch bewegender war für mich jedoch der Moment, als er mich fragte, ob ich für Cocoon einen Remix von Roman Flügels „Geht's noch ?“ machen könnte, der jetzt im Oktober erscheint, da hab ich echt gedacht, jetzt schlägts 13! Doch man muss auch immer sehen, dass das Musikbusiness ein sehr schnelllebiges ist, deshalb freue mich auch sehr, aber flippe nicht gleich aus und breche mein Studium ab.

Als Dein Name in unserer Redaktion fiel, bekam der ein oder andere große Augen. „Was, Dominik Eulberg? Is ja geil!“ Zwar sind das Leute, die sich explizit mit elektronischer Musik beschäftigen, aber trotzdem wird Deiner Person zurzeit eine große und ansteigende Aufmerksamkeit zuteil, was sich auch in Interviews in der Groove oder der De:Bug widerspiegelt. Was sind in Deinen Augen die Gründe, die Dich als Künstler und Deine Musik so attraktiv machen?

Ich denke es liegt daran, dass ich kein klassischer, grauer Technoproduzent bin, sondern man mit mir direkt eine Persönlichkeit verbindet: der lustige Naturbursche Eulberg! Das sieht man ja auch schon an meinen Titelnamen. Ich glaube es gibt nicht viele Produzenten, deren grosse Leidenschaft die Natur ist. So studiere ich ja Geografie und Biologie mit Schwerpunkt Ökologie, arbeite auch ab und an in Nationalparks und bin ein leidenschaftlicher Ornithologe. Das versuche ich auch in meiner Musik wiederzuspiegeln, diese Polarität. Zudem denke ich, dass viele Leute merken, dass ich Musik einfach nach Gefühl und Lust mache und nicht an welche Konventionen halte. Das ganze soll einfach Spass und Freude machen und auch eine Brise Humor haben.

Du bist als sowohl als DJ als auch als Liveact unterwegs. Oft wird ja diskutiert, was von Beiden besser und dynamischer ist und was mehr Spaß macht. Leider ist das die gleiche Frage wie die nach dem Huhn und dem Ei. Aus welchen Gründen hast Du begonnen, elektronische Musik selber zu machen?

Da muss ich Dich leider korrigieren, da ich schon seit ein paar Jahren nicht mehr live spiele. Ich werde zwar oft danach gefragt, doch ist es mir einfach zu stressig. Ich denke ich kann mit dem Auflegen auch gut meine Gefühle rüberbringen. Doch wird die Zeit bestimmt auch wieder kommen, wo man mich auch wieder live hören kann. Angefangen Musik zu machen habe ich eigentlich schon sehr früh. Als ein Kind, dass unbekümmert in der Natur aufgewachsen ist, fand ich es unglaublich faszinierend erstmals Klänge zu hören, die elektronisch erzeugt wurden. Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen, wie so was geht und woher dieser so mysertiöse Klang er zeugt wird. Direkt war ich Gefangen in einer Faszination, die mich bis heute nicht losgelassen hat. Dann begann ich Synthesieser und andere Geräte mir zu kaufen, einfach um das auszuprobieren und nicht mit der Absicht damit einmal selber Platten zu machen. Erst nach mehreren Jahre geriet ich dann an Leute, die mich dazu inspirierten das auchmal auf Platte rauszubringen. Noch heute macht es mir eine riesige Freude Musik zu machen und damit zu spielen. Ja ich brauche es und bin süchtig danach. Wenn ich mal ein paar Tage keine Musik machen kann, werde ich direkt unausgeglichen. Musik hilft mir immer wieder mich selber zu finden, genau wie die Natur.

In Kürze erscheint Dein erstes Album „Flora & Fauna“. Wie muss man sich das vorstellen? Ist es eine Sammlung Deiner bisherigen Tracks oder wurde alles neu produziert? Was hast Du für ein Gefühl dabei (die erste LP ist ja meist auch die aufregendste)?

Alle Stücke (auf Vinyl 7 und auf CD 10) habe ich extra dafür produziert. Riley von Traumschallplatten sagte eines Tages zu mir, dass er es toll fände, wenn ich jetzt auch mal ein Album für ihn machen könnte. Zuerst schluckte ich, weil es eine Menge arbeit ist so ein Album zu machen und ich mir immer vorgenommen habe, dass ich beim Musikmachen keinen Stress haben will. Riley meinte aber, ich könne mir ruhig Zeit nehmen. So setzte ich mich einfach hin und legte los, erst mal ohne gross nachzudenken. Und was für mich selber unglaublich war, nach ganzen 3 Wochen hatte ich das ganze Album im Kasten. Dabei habe ich dann versucht meine beiden grossen Vorlieben Natur und Musik zu kombinieren, so dass das Album nun ein echtes Stück von meinem Fleisch und Blut ist. Daher der Name „Flora & Fauna“. Ich habe mir 10 interessante Tiere und Pflanzen aus Deutschland ausgesucht, zu denen ich eine starke Bindung habe, etwa „die Trottellummen von Helgoland“ oder „die Seeadler der Müritz“. Zu jedem Lebewesen habe ich dann ein Musikstück gemacht, was sie gut repräsentiert und auch teilweise Samples der Tiere in den Stücken verwendet. Dazu habe ich dann ein Cover gestallte, wo auf der Vorderseite die Tiere und Pflanzen in eine Landschaft eingegliedert zu sehen sind. Auf der Rückseite habe ich zu jedem Tier/Pflanze eine lehrreiche Geschichte geschrieben, um den Leuten auch die Schönheit der heimischen „Flora & Fauna“ nahe zu bringen. Ich will, dass sich der Hörer beim Abspielen der Platte zu Hause aufs Sofa setzt und sich die Geschichten durchliest und denkt „Oh, sehr interessant“ oder einfach darüber schmunzelt und Spass daran hat.

Ich denke das Album wird vielen Menschen Freude bereiten. Denn schon die Promos werden von DJ's wie Sven Väth, André Galuzzi, Riccardo Villalobos, Karotte... gespielt und sehr geschätzt, was ja doch ein gutes Zeichen ist.

Text: Dirk Ramthor